Wahlprüfsteine Stadtelternbeirat Kindertagesstätten

A. FACHPERSONAL UND BETREUUNGSPLÄTZE

Frage 1:
Bisher wurden Zulagenzahlungen für pädagogisches Fachpersonal in Rüsselsheim gezahlt. Würden Sie weiter daran festhalten?

x Ja, warum?

Guter Lohn für gute Arbeit! In Anbetracht der guten Arbeit, die vom pädagogischen Fachpersonal in Rüsselsheim in einem schwierigen Umfeld geleistet wird, sind die derzeit gezahlten Zulagen mehr als gerechtfertigt. Wir sehen keinen Grund, daran etwas zu ändern.

 

Frage 2:
Mit welchen konkreten Maßnahmen treten Sie dem Problem der Fachkräftegewinnung entgegen?

Grundsätzlich muss man leider festhalten, dass das Problem des Fachkräftemangels sowohl von Herrn Grieser als auch schon von seinem Vorgänger schlichtweg verpennt wurde. Die Fachkräfte, die uns jetzt fehlen, hätten schon vor fünf Jahren ausgebildet werden müssen. Dieses Versagen ist jetzt nur schwer zu korrigieren. Der extrem hohe Krankenstand zeigt zudem, dass die Arbeitsbelastung des vorhandenen Personals sehr hoch ist, was den Arbeitsort Rüsselsheim für die meisten Fachkräfte nicht wirklich attraktiv macht.
Letztendlich lässt sich das Problem unserer Ansicht nur durch drei Maßnahmen mittelfristig lösen:

  • Bessere Arbeitsbedingungen
  • Verstärkte Ausbildung durch Förderung und Unterstützung von Nachwuchskräften (z. B. bei der Suche nach Wohnraum oder Beihilfen für den Umzug oder in besonderen Notlagen)
  • Überdurchschnittliches Gehalt im regionalen Vergleich

 

Frage 3:
Halten Sie am weiter benötigten Ausbau der Kita-Landschaft fest?

x Ja, weil

gesetzlich vorgeschrieben und gesellschaftspolitisch notwendig.

 

Frage 4:
Die Kritik der Investitionen im Bereich von Kita-Neubauten ist mit jeder neuen Kita in der Stadtverordnetenversammlung zugegen.

a) Wie beurteilen und wollen Sie dieser Kritik entgegentreten?

Es gibt für uns keinen Grund, dieser Kritik entgegenzutreten, da wir Hauptträger dieser Kritik sind.
Auch wenn Herr Grieser dies immer wieder erzählt: Wirtschaftliches Bauen und Ausbau der Kitabetreuung sind keine Gegensätze. Wir bauen zu teuer und in vielen Fällen auch nicht intelligent genug. Warum gelingt es uns nicht, eine Standard-Kita zu entwerfen und diese an unterschiedlichen Stellen zu errichten? Warum muss jedes Mal ein volles Architektenhonorar in sechsstelliger Höhe entrichtet werden? Wir sollten uns hier auch nichts vormachen: Was Kraft und Grieser derzeit für 4 bis 6 Millionen Euro pro Stück errichten, sind keine besonders hochwertige Bauten. Wir reden hier am Ende von besseren verputzten Containern mit einer Nutzungsdauer von 10 bis 12 Jahren.


b) In welchem Widerspruch stehen diese Diskussionen in Bezug auf die bereits verabschiedete Vorlage DS-Nr. 384/16-21?

Die WsR Fraktion hat die Drucksache 384 vollumfänglich mitgetragen. Ein Widerspruch zu unserer Kritik (siehe Frage 4) ist für uns nicht zu erkennen.

Frage 5:
Sollte eine Schicht-Kita in Rüsselsheim kommunale Aufgabe sein und etabliert werden?

x Ja, weil

das moderne Arbeitsleben lässt sich nicht mehr in Schablonen pressen; oftmals variieren Arbeitszeiten von Job zu Job, von Arbeitgeber zu Arbeitgeber. Gerade für Alleinerziehende stellt die Kombination von Schichtarbeit und Kinderbetreuungszeiten eine oftmals kaum zu überwindende Hürde dar. Dies ist umso schwerwiegender, da gerade in typischen Frauenberufen, wie der Krankenpflege, dringend Arbeitskräfte gesucht werden. Eine Kita direkt beim Arbeitgeber ist auch ein starkes Argument im Wettbewerb um qualifiziertes Personal. Aus diesem Grund haben wir bereits am 15. Oktober 2019 die Einrichtung einer für alle Rüsselsheimer*innen nutzbaren Kita am Standort des GPR Klinikums beantragt. Wurde von Rot-Rot-Grün abgelehnt. Argumentation von Herrn Grieser damals: „Es gibt keinen Bedarf am GPR.“ Was, wenn man auch nur einem Moment darüber nachdenkt, auch nur logisch ist, da diejenigen, die diesen Bedarf haben, ja gar nicht beim GPR Klinikum arbeiten können.
Nach wie vor halten wir den Bedarf für ein solches Angebot gerade in Rüsselsheim für sehr hoch und würden es gerne auch an mehreren Standorten umsetzen.

 

B. KITAGEBÜHREN, ELTERNBETEILIGUNG

Frage 1:
Halten Sie weiter an Elternbeiträgen im U3 Bereich fest?

x Nein, weil

Kinderbetreuung als Teil des Bildungsweges jedes Menschen generell steuerfinanziert sein sollte. Es ist allerdings auch so, dass die Kommunen dies, wie schon bei der Ü3-Betreuung, nicht aus eigener Kraft finanzieren können. Sollte es hier in Zukunft eine Initiative des Landes geben, werden wir diese, wie auch schon bei der Ü3-Betreuung, um einen fairen kommunalen Anteil zu Gunsten der Eltern ergänzen.

 

Frage 2:
Wie wollen Sie mit Elternmitwirkung auf kommunaler Ebene in der kommenden Legislaturperiode umgehen?

Wie bisher auch: Wertschätzen und bei allen pädagogischen Fragen einbinden. Für uns ist besonders wichtig, dass die Elternvertretung in Zukunft wieder von Eltern wahrgenommen wird, die auch selbst Kinder in den Rüsselsheimer Kindertagesstätten haben.

Frage 3:
Wie stehen Sie zu einer regelmäßigen Bedarfs- und Zufriedenheitsumfrage der Eltern? Wie werden Sie die Umsetzung solcher Abfragen unterstützen?

x Ja, weil

Bedarfs- und Zufriedenheitsumfragen wichtige Formen der Evaluierung der geleisteten Arbeit von Kitapersonal und Verwaltung sind. Diese Form der Kontrolle unterstützen wir und wollen sie in vielen Bereichen wissenschaftlich begleitet ausbauen.

Frage 4:

Werden Sie eine Qualitätsverbesserung der Mahlzeiten im Ü3-Bereich den Standards des U3-Bereiches gleichsetzen?

x Ja, weil

wir nichts sehen, was dagegen spricht.

 

C. QUALITÄT


Frage 1:

Wie beurteilen Sie das städtische Raumprogramm für Kitabauten?

Es ist sehr gut.

Frage 2:
Halten Sie an den Standards (z.B. Gruppengröße von 20 Kindern) der Rüsselsheimer Kindertagesstätten in der kommenden Legislatur fest?

x Ja, weil

die Standards verglichen mit anderen Ländern in der EU keineswegs so überdurchschnittlich gut sind, wie von der Stadt verschiedentlich propagiert wird und wir aufgrund der Bevölkerungsstruktur gut daran tun, so früh wie möglich in die Bildungschancen der Jüngsten zu investieren.

 

Frage 3:
Welche der vorhandenen Qualitätsstandards halten Sie für am wichtigsten?

Die Diskussion über Qualitätsstandards in unseren Kindertagesstätten ist vielfach rein akademischer Natur, solange es uns nicht gelingt, diese mit ausreichendem Personal auszustatten. Für uns ist die zentrale Aufgabe in der nächsten Legislatur, die Personalversorgung in den Kindertagesstätten durch eigene Ausbildung und Personalentwicklung sicherzustellen und auch für die Zukunft zu gewährleisten.

 

Frage 4:
Setzen Sie die städtischen Standards auch für die freien Träger in Rüsselsheim gleich?

x Ja, weil

wir keinen Grund sehen, dort andere Standards anzuwenden.
Werden Sie die freien Träger in künftigen Entscheidungen grundsätzlich mit einbeziehen?

x Nein, weil

freie Träger Auftragnehmer der Stadt Rüsselsheim sind und wir für eine strikte Trennung sind zwischen dem, der einen Auftrag -hier Kinderbetreuung- vergibt und dem, der die Leistung erbringt. Es ist eines der Kernprobleme in Rüsselsheim, dass vielfach (Kulturbereich, Grünpflege etc.) derjenige, der eine Leistung erbringt, zugleich an der Auftragsvergabe und an der Kontrolle der Leistungserbringung beteiligt ist. Ein System, das sich über viele Jahrzehnte in der Verwaltung etabliert hat und konsequent aufgebrochen werden muss.

Frage 5:
In den Rüsselsheimer Kindertageseinrichtungen werden von den vorhandenen Betreuungsplätzen in Kitas für das Kitajahr 2020/21 integrative Plätze genutzt.

a) Wie sehen Sie den Stand der Inklusion in Rüsselsheimer Kindertageseinrichtungen?

Ausbaufähig und erst am Anfang.

 

b) Welche Fortschritte sehen Sie, welche Herausforderungen müssen noch angegangen werden?

Ähnlich wie an den Schulen sehen wir die Inklusion derzeit äußerst kritisch. Wir haben in beiden Strukturen zu wenig und überlastetes Personal, dem es zudem auch oft an konkreten Fortbildungen in diesem Bereich mangelt. Wir werfen die Kinder derzeit in ein kaputtes System und hoffen, dass Lehrer*innen und Erzieher*innen das schon irgendwie regeln werden.
Auch hier ist es für uns von zentraler Bedeutung, dass zunächst der personelle Mangel behoben wird, bevor den Mitarbeiter*innen durch die Politik zusätzliche Aufgaben zugeschoben werden.

 

Frage 6:
Sehen Sie Verbesserungsbedarf für Familien mit Migrationshintergrund in Kitas? Welche zusätzlichen Vorschläge haben Sie für eine gelingende Integration?

Wir halten die Frage nach dem Migrationshintergrund schon in der Analyse für falsch. Wir haben in Rüsselsheim viele gut integrierte Familien, die viel Wert auf die Bildung ihrer Kinder legen und auch einiges für den Spracherwerb tun.
Probleme macht uns eine bildungsferne Unterschicht, deren Kinder in vielen Bereichen, sei es Sprache, soziale Kompetenzen, aber auch z. B. in Motorik, einen erhöhten Förderbedarf aufweisen, den wir nicht im notwenigen Maße leisten können. Neben der speziellen Förderung in der Einrichtung ist es hier aber auch von entscheidender Bedeutung, über verstärkte Sozialarbeit (Stichwort: Elternschule) in die Familien hineinzuwirken. Wir haben erhebliche Zweifel, dass hierfür derzeit ausreichende Mittel zur Verfügung stehen.

 

Frage 7:
Rüsselsheimer Eltern möchten, dass Rüsselsheim ansprechender für Eltern und Kinder jeder Altersgruppe wird.

a) Wie kann Rüsselsheim für Eltern und Kinder ansprechender werden? Welche Angebote können Sie sich vorstellen im z.B. Ostpark/Vernapark und am Mainvorland?

Zunächst einmal muss es das Ziel sein, dass wir uns alle in der Stadt wieder sicher fühlen. Das individuelle Sicherheitsgefühl ist bei breiten Bevölkerungsschichten in den letzten Jahren zunehmend weggebrochen.
Die von Ihnen angesprochenen Grünflächen und Parks müssen besser und regelmäßiger gepflegt und sauber gehalten werden, um wieder Aufenthaltsqualität zu bieten. Für viele Kinder und Jugendliche wäre es schon eine positive Überraschung, wenn die Bolzplatz-Wiesen am Mainufer wieder regelmäßig gemäht würden. Wir wollen den gesamten Ostpark aus der Waldbewirtschaftung herauslösen und durch die Umsetzung eines Parkpflegekonzeptes deutlich aufwerten. Auch hierbei werden Liege- und Spielflächen eine große Rolle spielen. Ziel unserer Fraktion bleibt es, alle Spielplätze um inklusive Spielgeräte zu ergänzen. Die Schaffung eines zentralen Spielplatzes für behinderte Kinder, wie von Rot-Rot-Grün geplant, lehnen wir ab. Leider ist unser Antrag hierzu aus dem Juni 2019 immer noch nicht bearbeitet worden.

 

b) Wie würden Sie die Innenstadtentwicklung und im Zusammenhang mit den Bedürfnissen von Kindern und Eltern jeglicher Altersgruppe beurteilen?

Die Innenstadtentwicklung ist derzeit nur als katastrophal zu bezeichnen. Verbesserungen sind zwar geplant, aber leider immer noch nicht umgesetzt.